Lohnt sich das Warten für 45 Sekunden Spektakel?
Jede volle Stunde versammeln sich hunderte Menschen mit gezückten Handys vor dem Rathausturm am Altstädter Ring. Sie starren gebannt nach oben, um den „Gang der Apostel“ zu sehen. Nach weniger als einer Minute ist der Spuk vorbei, das Skelett läutet die Glocke, der Hahn kräht – und die Menge löst sich auf.
Viele fragen sich danach: „Was soll’s? Warum stehen hier alle?“
Ein mittelalterlicher Computer: Hier lesen Sie Sonnenstand, Mondphase und drei verschiedene Zeitzonen gleichzeitig ab.
In den beiden Türen über dem Ziffernblatt erscheinen zur vollen Stunde die Apostel.
„Die untere Scheibe zeigt die 12 Sternzeichen und ländliche Szenen aus den Monaten – ein Meisterwerk von Josef Mánes.“
Warum ist sie eine Sehenswürdigkeit?
Die Antwort liegt nicht im kurzen „Puppenspiel“, sondern in der Technik. Der Prager Orloj ist die älteste astronomische Uhr der Welt, die noch heute funktioniert. Seit 1410 zeigt sie nicht nur die Zeit an, sondern ist ein mittelalterlicher Computer aus Stein und Eisen.
Was Sie dort eigentlich sehen (wenn Sie genau hinschauen) Die Uhr zeigt weit mehr als nur die Stunden. Wenn Sie das nächste Mal davorstehen, achten Sie auf das Zifferblatt:
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Drei Zeiten auf einmal: Die Uhr zeigt die altböhmische Zeit (außen), unsere heutige Zeit (römische Ziffern) und die babylonische Zeit (die einzige Uhr weltweit, die das noch tut!).
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Das astronomische Wunder: Sie zeigt den Stand von Sonne und Mond im Tierkreis an.
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Die vier Figuren: Neben den Aposteln gibt es vier Figuren, die das Mittelalter als die größten Übel ansah: Eitelkeit (mit Spiegel), Geiz (mit Geldbeutel), der Tod (das Skelett) und die Wollust/Türkengefahr.
Der Fluch des Meisters Hanuš
Natürlich gibt es auch hier eine düstere Legende: Man sagt, die Prager Ratsherren hätten den Erbauer der Uhr, Meister Hanuš, blenden lassen, damit er niemals eine zweite, noch schönere Uhr für eine andere Stadt bauen könne. Aus Rache soll er ins Uhrwerk gegriffen und es so für hunderte Jahre gestoppt haben.
Mein Insider-Tipp
Das Spektakel zur vollen Stunde ist nett, aber die wahre Magie der Uhr sieht man, wenn man sich Zeit nimmt, die Details der goldenen Zeiger und das Kalendarium von Josef Mánes (unten) zu betrachten.
Noch besser: Steigen Sie auf den Rathausturm! Von dort oben sehen Sie nicht nur den Altstädter Ring von oben, sondern können beim Abstieg oft einen Blick auf die Rückseite der Apostel-Figuren werfen.
Möchten Sie die Geheimnisse der Altstadt entschlüsseln?
Die astronomische Uhr ist nur der Anfang. Bei meiner „Altstadt & Jüdisches Viertel“-Tour erzähle ich Ihnen, was die Symbole an der Uhr bedeuten und wo Sie in der Nähe den besten Kaffee finden, während die anderen noch in der Schlange stehen.
Hier geht es zur Tour-Anfrage – Geheimnisse der Prager Altstadt